Reisebericht vom 7. bis 14. März 2012 in Tokyo und Natori
Am 7. März also wieder nach Japan.
Am Donnerstag, den 8., sind wir gegen Abend in Tokyo angekommen. Freitag und Samstag wurden mit dem dortigen Architektenteam sämtliche Baupläne durchgegangen, wir haben Materialien festgelegt und gemeinsam die Baubeschreibung durchgearbeitet. Ein relativ schwieriges Unterfangen, da diese erst vom Japanischen ins Englische übersetzt und deswegen eine Reihe von Punkten zusätzlich geklärt werden musste.
Dies war sehr wichtig, weil der Bauunternehmer, der das Gebäude „schlüsselfertig“ übergibt, eine Reihe von Einsparpotenzialen aufzeigen konnte, die teilweise zu einem besseren Ergebnis bei günstigeren Kosten führen werden. Er kann Materialien verwenden, die er auch für eine andere Großbaustelle braucht und deshalb günstig einkauft.
Am Sonntag, den 11. März, dem Jahrestag des größten Unglücks, das Japan nach dem zweiten Weltkrieg heimgesucht hat, hatte ich Gelegenheit, eine der großen, sehr beeindruckenden Gedenkfeiern zum Jahrestag mitzuerleben.
Japan hat inzwischen viel getan und trotzdem bleibt noch immer viel zu tun.
Mittlerweile bin ich von dem Engagement unserer Stiftung und unserer vielen Stifter noch überzeugter als je zuvor: Wir werden gebraucht!
Der Montag war von Vertragsverhandlungen mit der Bauunternehmung Sato Kogyo bestimmt. Es war ein langer, aber letztlich erfolgreicher Tag mit einem Abschluss, der sich sehen lassen kann. Man muss hier allerdings betonen, dass sich dieses Bauunternehmen mit einer sehr geringen Marge zufrieden gab, man brachte damit deutlich zum Ausdruck, dass man das Projekt als vorbildlich ansieht. Natürlich hat auch eine Rolle gespielt, dass man schon oft für Maki & Associates gearbeitet hat und in Zukunft auch gerne weitere Aufträge übernehmen möchte.
Die Gesamtsumme des Vertrages (wobei hier die Anschlüsse und Vorarbeiten, welche die Stadt leistet und die wir ursprünglich auch in unserer Kalkulation hatten, außen vorbleiben) liegt bei Yen 89.757.150,00. Hierzu kommen noch Gelder für Einrichtungsgegenstände.
Welche Gesamtsumme dann letztlich in Euro zu zahlen ist, wird vom Wert des Yen abhängen, der am Zahlungstag hoffentlich günstiger stehen wird als heute. Wir hoffen aber, wenn alles wie geplant verläuft, mit einer Summe von einer Million Euro auszukommen. Das wäre ein sehr gutes Ergebnis.
Der Baubeginn ist für April dieses Jahres vorgesehen, die Übergabe des Bauwerkes an die Stadt Natori für den 3. November geplant. Dies wurde vertraglich vereinbart und ich bin wirklich gespannt, ob diese Termine tatsächlich eingehalten werden können.
Eine Idee von Fumihiko Maki war, aus Bildern, welche Blumenwiesen darstellen, von deutschen und japanischen Kindern gemalt, zwei Mosaike anfertigen zu lassen, die an zwei Wänden des Zentrums angebracht werden sollen. Ich hatte dafür einige Entwürfe mitgebracht und bin gespannt, welche ausgewählt werden.
Auch über den Namen des Kinder- und Altenzentrums haben meine Frau und ich nachgedacht. Wir würden es gern „Deutsches Haus“ nennen, da wir ein Zeichen setzen wollen für die langjährige Freundschaft zwischen Deutschland und Japan, die wir persönlich über 40 Jahre erfahren durften. Unsere Stiftung sehen wir nun als Mittel, dies zu verwirklichen. Ich werde diesen Namen vorschlagen und abwarten, wie man sich in Natori dazu äußert.
Im Sommer werde ich einige Zeit vor Ort sein, mich vom Baufortschritt überzeugen und hier und da möglicherweise kleine Änderungen vornehmen, weil natürlich noch nicht alles bis ins Letzte geklärt ist.
Selbstverständlich halte ich Sie weiterhin auf dem Laufenden.
Zum Ende meines Berichts möchte ich mich bei allen bedanken, die uns bis heute begleitet haben. Die uns mit Spenden und Taten unterstützt haben. Mein besonderer Dank gilt Fumihiko Maki und seinem Team und unserer Freundin Miho. Ohne deren Engagement könnte unser Projekt in dieser Form nicht realisiert werden.
![]()
Sonja & Reinhard Ernst
