Reisebericht vom 1. bis 9. Oktober 2011 in Natori

Am Sonntag, den 2. Oktober 2011, ist unsere Projektgruppe in Japan angekommen. Von Montag bis Mittwoch wurden Konzepte besprochen und Grundsatzdetails festgelegt, die bereits am nächsten Tag in Form von Zeichnungen und Einzelskizzen vorlagen. Mit diesen Unterlagen sind wir am 6. Oktober nach Natori gereist.

Dort konnten wir den Verantwortlichen der Stadt unser Projekt vorstellen. Sie haben uns wissen lassen, (im Hintergrund die japanische und deutsche Flagge), wie hoch sie das Engagement unserer Stiftung schätzen und wie froh sie sind, dass wir unser Vorhaben in Natori verwirklichen wollen. Unter anderem haben wir auch Zusagen angesprochen, die wir von der Stadt benötigen. Sie bezogen sich in erster Linie auf das Betreiben der Begegnungsstätte und sind mittlerweile durch eine schriftliche Bestätigung geklärt.

Die zweite Hälfte des Tages galt dem Besuch der Küstenregion, wo vor der Katastrophe 2011 ein Fischerdorf stand. Ich habe einige Aufnahmen gemacht, die nur noch Straßen und Grundrisse von Häusern zeigen – beängstigende Eindrücke. Einige weitere Aufnahmen, von einem Freund, zeigen, mit welcher Wucht der Tsunami die Stadt Natori getroffen hat. Ich hatte auch Gelegenheit, die Unterkünfte zu besuchen, in denen heute noch viele Menschen leben müssen; zum Teil schon bessere Notunterkünfte, durch welche die Container inzwischen ersetzt worden sind. Wir haben viele ältere Menschen gesehen, die einsam und verloren wirken, etliche haben ihre Partner verloren, viele ihre ganze Familie.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen der Stadt Natori war überaus groß, aber gegen solch großes Leid, den Verlust eines oder mehrerer geliebter Menschen, den Verlust von Hab und Gut ist man erst einmal machtlos.

Wir konnten spüren, wie wichtig es gerade für alte Menschen ist, einen Ort zu haben, wo man sich mit denen austauschen kann, die Ähnliches erlebt haben. Solche Gespräche können für den Umgang mit dem eigenen Schicksal hilfreich sein.

Auch die Kinder, die größtenteils stark traumatisiert sind, weil sie einen Elternteil oder auch beide Eltern verloren haben, brauchen einen Ort, an dem sie gemeinsam etwas unternehmen können – ob spielen oder vielleicht auch Schulaufgaben machen. Trotz der vorbildlichen Versorgung durch Stadt, Freunde und Verwandte haben sie dann noch einen weiteren Anlaufpunkt mit Bezugspersonen.

Am Freitag und Samstag sind wir überarbeitete Pläne durchgegangen, haben das geänderte Modell begutachtet und erstmals einen geschätzten Kostenrahmen diskutiert. Anfang Dezember werden wir uns wieder treffen.

Unterschrift Reinhard Ernst
Reinhard Ernst